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 Jung für Alt - Generationen im Gespräch



Das Projekt "Jung für Alt" mit Schülerinnen und Schülern über "Alt werden und alt sein" reden, wurde zu Beginn des Jahres an uns herangetragen. Herr Dr. Walter G. Demmel besuchte unsere vierten Klassen im Rahmen des Religionsunterrichtes.

Von der Entwicklung dieses Projektes "Jung für Alt" bis zur Umsetzung in den vierten Klassen dokumentierte Herr Dr. Demmel freundlicherweise und stellte uns seine Eindrücke in schriftlicher Form zur Verfügung.


Dem Seniorenbeirat der Landeshauptstadt München wurde vor einigen Monaten ein Antrag von Frau Hügenell vorgelegt, der das Ziel hatte, das soziale Engagement von Schülerinnen und Schülern aller Schularten zu wecken und zu erreichen, dass diese verstärkt alternden Menschen entgegenkommen und schon Alten in vielen Lebenslagen behilflich sein werden. Einige Mitglieder des Seniorenbeirats, auch der Autor dieses Berichts (lange Jahre Lehrer an beruflichen Schulen und Jahrzehnte Hochschullehrer an der Technischen Universität München), erklärten sich bereit, nach Genehmigung durch die Schulleitung versuchsweise in Schulklassen verschiedener Schularten über Probleme des Alters Gespräche zu führen.

Inzwischen habe ich im Rahmen von Sozialkundestunden an beruflichen Schulen bei den Vergoldern und den Kirchenmalern in der Luisenstraße und einer Religionsdoppelstunde in zwei vierten Klassen der Grundschule an der Walliserstraße meine Gespräche geführt. Die Unterschiede konnten größer nicht sein. Hier die an ihrer beruflichen Ausbildung und ihrem Fortkommen interessierten jungen  Erwachsenen beiderlei Geschlechts, die sich zu meinen vorgetragenen Problemen des Alters betroffen und verständig, aber weitgehend emotionslos und nüchtern äußerten, dort die 10 jährigen Grundschüler, die eifrigst auf meine Fragen antworteten, meine Einwände einsahen, voller Emotionen anders argumentierten oder auch schon über Beispiele aus ihren Familien berichteten.



Die Stunden an der Grundschule hatte mit Zustimmung der Schulrektorin, Frau Bock, die Fachbetreuerin für den Religions- und Ethikunterricht, Frau Fürmetz, organisiert. Während meine Stunden an den beruflichen Schulen spontan entschieden und gehalten wurden, waren die an der Grundschule langfristig (über zwei Monate) geplant. Da ich bisher, wie schon erwähnt, nur im Erwachsenenbereich unterrichtet hatte, waren die Stunden bei den Viertklässlern der Grundschule an der Walliserstraße für mich eine neue Herausforderung, auf die mich  meine beiden Enkelkinder, Mädchen in der 1. und 3. Klasse an der Grandlschule, mental vorbereitet hatten. Allerdings hatte ich trotzdem wenig Vorstellung, wie man in diesem Alter in der Klasse reagiert. Ich hielt keinen Vortrag, sondern unterhielt mich mit den Kindern über den Weg in das Alter mit den langsam auftretenden Beschwerden, über den schon alten Menschen in seinem Umfeld und mit seinen speziellen Problemen und zum Abschluß über die Möglichkeiten, die Kinder haben, den Alten in ihrem Zuhause unter die Arme zu greifen oder im Altenheim eine Freude zu bereiten. Alle Schülerinnen und Schüler hielten zu meiner Überraschung - und vermutlich auch der anwesenden Lehrerinnen - trotz großer Hitze im Raum 80 Minuten durch, ohne unruhig zu werden, beteiligten sich fast alle und überraschten mich immer wieder mit guten Beispielen, konkreten Anregungen und manchmal sehr altklugen Bemerkungen. Nach diesen positiven Erfahrungen habe ich Lust, noch einmal in eine Grundschule gehen und zu sehen, ob mein Versuch nur zufällig so gut verlief. Ich habe schon viele Fächer unterrichtet, aber noch nie Religion, und nun war ich mit über 70 Jahren auch "Religionslehrer"!

Demnächst plane ich noch Unterrichtsstunden an unserer Realschule und einem Gymnasium.



Verantwortlich: Dr. Walter G. Demmel, Seniorenbeauftragter im 23. Stadtbezirk Allach/Untermenzing  

Grundschule an der Walliser Straße, München