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Inklusion


Der bayerische Weg zur Inklusion - eine Aufgabe aller Schulen   


Am 26. März 2009 ist das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung in Deutschland in Kraft getreten. Der VN-Behindertenrechtskonvention liegt ein Verständnis von Behinderung zugrunde, in dem diese als normaler Bestandteil menschlichen Lebens ausdrücklich bejaht und als Bereicherung angesehen wird.


Ziel ist die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben ohne Ausgrenzung und Diskriminierung. Dies ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und betrifft auch den Bildungsbereich.


Die Vertragsstaaten haben sich dazu verpflichtet, den Zugang zum Unterricht in allen Schularten gleichberechtigt sicherzustellen. Inklusion ist damit eine verbindliche Aufgabe aller Schulen und Schularten sowie aller Bildungseinrichtungen.


Bereits im Dezember 2009 bildete sich eine interfraktionelle Arbeitsgruppe mit Vertretern aus allen im Landtag vertretenen Fraktionen, um die VN-Behindertenrechtskonvention auf Landesebene umzusetzen. Ein aus dieser Zusammenarbeit resultierender Entwurf zur Änderung des Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes im Hinblick auf die Realisierung eines inklusiven Schulsystems wurde am 28. März 2011 vorgelegt und am 13.Juli 2011 vom Landtageinstimmig angenommen.


In Bayern fand bereits mit der Reform des BayEUG im Jahre 2003 ein Paradigmenwechsel statt, der die sonderpädagogische Förderung von Schülerinnen und Schülern im Rahmen ihrer Möglichkeiten zur Aufgabe aller Schularten machte. Die Zusammenarbeit von Regelschule und Förderschule wurde intensiviert und unterschiedliche Formen der Kooperation entwickelt.


Der Gesetzesentwurf zur Umsetzung der VN-Behindertenrechtskonvention sieht eine Fortführung und Weiterentwicklung der bereits bestehenden und eine Konzeption neuer inklusiver Lernformen vor, die die bestmögliche begabungsgerechte Förderung aller Schülerinnen und Schüler zum Ziel hat.


Neu ist der grundsätzlich gleichberechtigte  Zugang zu allen Schularten vor Ort, sofern die Voraussetzungen der jeweiligen Schulart erfüllt sind.


Die Förderschulen bleiben weiterhin als wichtiger alternativer Lernort sowie als Kompetenzzentren erhalten und unterstützen die Umsetzung des inklusiven Unterrichts in allgemeinen Schulen.


Im Schulamtsbezirk München-Stadt gibt es eine Vielfalt schulischer Angebote zur inklusiven Unterrichtung:


  • 67 Kooperationsklassen: Jeweils 3 - 5 Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf vor allem in den Förderschwerpunkten Sprache, Lernen sowie emotionale und soziale Entwicklung werden mit stundenweiser Unterstützung des Mobilen Sonderpädagogischen Dienstes durchgängig in Regelklassen unterrichtet.

  • 9 Partnerklassen: Eine Klasse einer Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung ist räumlich in einem Gebäude der Regelschule untergebracht und kooperiert dort mit einer Partnerklasse der Grund- bzw. Mittelschule intensiv in den Bereichen Schulleben und Unterricht. Die Zusammenarbeit erstreckt sich in der Regel  über die gesamte Schulzeit der jeweiligen Schulart. Beispiel: Grundschule an der Oselstraße.

  • Inklusion einzelner Schülerinnen und Schüler: Im Schuljahr 2010/11 besuchten insgesamt 70 Schülerinnen und Schüler mit den Förderschwerpunkten körperliche und motorische Entwicklung, Hören, Sehen bzw. geistige Entwicklung eine Regelklasse, wobei hier je nach Grad der Behinderung dem Kind ein Integrations-helfer zur Seite gestellt wurde. Darüber hinaus erfolgte im Bedarfsfall eine schulische Begleitung durch die Mobilen Sonderpädagogischen Dienste.

  • Schulen mit dem Schulprofil "Inklusion": Neben den kooperativen Lernformen und der Inklusion einzelner Schülerinnen und Schüler gibt es im Schuljahr 2011/12 erstmalig Schulen mit dem Schulprofil "Inklusion". Auf der Grundlage eines gemeinsamen Bildungs- und Erziehungskonzeptes soll an diesen Schulen den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf in besonderem Maße Rechnung getragen werden. Lehrpersonal der Förderschule ist in das Kollegium der allgemeinen Schule eingebunden.


In der Landeshauptstadt München wurde an folgende Regelschulen der Status "Schule mit dem Schulprofil Inkusion vergeben":


1. Grundschule am Hedernfeld


2. Grundschule an der Schrobenhausener Straße


3. Mittelschule an der Schleißheimer Straße


Diese Schulen sollen zu "...Motoren für ein neues Miteinander von jungen Menschen mit und ohne Behinderung werden" ( Kultusminister Ludwig Spaenle). Sie entbinden aber nicht die anderen Grund- und Mittelschulen von der Aufgabe, junge Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam zu unterrichten.


"Inklusiver Unterricht ist Aufgabe aller Schulen." (Art.2Abs.2 Satz 1 BayEUG-E)


Verantwortlich: Nicole Hultzsch

Grundschule an der Walliser Straße, München